25. Juli 2008 von Jan in Liebes Tagebuch... | 5 Comments »
Wann verliert man als Medizinstudent eigentlich seine Selbstachtung?
Folgendes Beispiel: Welcher normale Mensch - sagen wir mal, ein Geographiestudent, denn das sind normale Menschen - würde, wenn ein Doktor der Geographie aus dem Raum gehen würde, nachdem er den ganzen Raum durcheinander gebracht hat, wenn dieser Doktor beim rausgehen zu ihm sagt: “Sie dürfen die Unordnung jetzt wieder aufräumen! ” denken “Wow! Wie geil!” ?????
Genau an dem Punkt ist man aber irgendwann als Mediziner. In der Universidad Catolica durfte ich die ganze Zeit im OP keinen Finger rüren, weil immer jede Menge hoch qualifizierte Ärzte im OP waren. Die letzten zwei Wochen war ich jetzt in einem öffentlichen Krankenhaus. Dort herrscht Ärztemangel, und gleich am ersten Tag ist mir eben dies passiert: Doktor geht nach der OP, Patient ist noch komplett offen, raus und sagt mir: Du darfst jetzt dann zunähen! Und ich denke auch noch - “wie geil! ” Das ist wohl eine der Absuditäten des Medizinerdaseins. Auf jeden Fall konnte ich noch mal alles, was ich in der Catolica immer nur sehen durfte, noch mal selber machen in den letzten Zwei Wochen. In Sachen Fingerübung im OP habe ich echt nur in den letzten zwei Wochen was gelernt. Aber gut, besser als nix, da durfte ich dafür dann bei jeder OP mitmachen.
Was steht jetzt an? Wir haben gepackt, Heizung verkauft, Gitarre verkauft, Handy verkauft. Es ist schon komisch, wenn man dann so seine Zelte abbricht. Santiago war eine gute Stadt für uns! Aber irgendwann ist auch mal gut, und ich merke, dass ich zurück will. Aber erst mal erfüllen wir uns noch einen großen Traum, der so eigentlich gar nicht eingeplant war: Wale beobachten! Dadurch, dass wir etwas früher aufbrechen und nicht mehr nach Peru fahren, können wir noch kurz runter nach Patagonien! Das klappt deshalb, weil es auf dem Weg zurück nach Buenos Aires liegt, von wo wir dann am 10.8. losfliegen werden! Ich schaue mit einem weinenden Auge zurück, Abschiede fallen mir immer schwer und Santiago war toll - und mit einem lachenden voraus! Ich freue mich sehr darauf, endlich mal wieder in Bewegung zu kommen, noch ein bißchen vom Kontinent zu sehen, und vor allem dann: Auf zu Hause! Auf bald, meine Freunde, wir sehen uns schon bald wieder!